Digitale Brett- und Kartenspiele: Empfehlungen, die Zweite

Im zweiten Teil der Empfehlungen von digitalen Umsetzungen diverser Brett- und Kartenspiele kommen diejenigen Spiele zum Zug, die entweder vom zugrunde liegenden System her nicht die Tiefe bzw. die Entscheidungsvielfalt und Möglichkeiten einiger im ersten Teil genannten Spiele aufweisen oder in ihrer digitalen Umsetzung schwächeln. Die jeweils in Kauf zu nehmenden Abstriche sind bei jedem Spiel kurz angedeutet und kommen in zwei Varianten vor:

  • Empfehlungen mit marginalen Abstrichen sind beinahe genauso gut wie die uneingeschränkten Empfehlungen des ersten Teils und haben z.B. kleinere Design-Probleme.
  • Empfehlungen mit merklichen Abstrichen sind an sich nicht schlecht, haben aber größere Probleme und sind eher für Fans des jeweiligen Genres oder Themas gedacht.

Dennoch sind die nächstgenannten Spiele allesamt einen Blick wert und ebenso wie die Empfehlungen des ersten Teils kostenlos zu haben und gegen den Computer spielbar.

Kurzer Nachtrag: Mehrfach wurde im ersten Teil der Empfehlungen Puerto Rico erwähnt, auf dem sowohl das Kartenspiel San Juan als auch die Java-Umsetzung Tropic Euro basieren. Wer Lust hat, das Original inklusive aller ursprünglichen Rollen, Gebäude usw. auszuprobieren, kann dies auch digital und kostenlos hier tun. Das Interface ist dabei dem von Tropic Euro, welches in der Tat sogar auf dieser Version Puerto Ricos aufgebaut hat, sehr ähnlich.

Mit Abstrichen empfehlenswert

Acquire

Abstriche (marginal): Eingeschränkte Komplexität und relativ geringe Anzahl der Möglichkeiten. Das Kernsystem ist aber hervorragend durchdacht.

Beschreibung: Acquire ist ein Klassiker unter den Brettspielen. Inhaltlich geht es darum, Firmen zu gründen und möglichst geschickt zum eigenen finanziellen Vorteil Fusionen bzw. Übernahmen zwischen diesen zu initiieren. Wie im richtigen Leben eines erfolgreichen Geschäftsmannes also? Na, etwas vereinfacht wurde das Ganze dann schon: Zufällig gezogene Tiles werden reihum auf dem Spielbrett platziert, wodurch Firmen entstehen und wachsen. In der zweiten Phase eines Zuges können Anteile an diesen Firmen gekauft werden. Wird nun beispielsweise eine Firma von einer größeren Übernommen, bekommt der Spieler, der die Mehrheit an der aufgekauften Firma hält, den größten Geldbonus, um anschließend Anteile weiterer Firmen zu kaufen. Am Spielende erhalten die Spieler nochmals Geld, je nachdem wieviele Anteile sie an den unterschiedlich großen – und damit wertvollen – Firmen halten.

Digitale Version: Die beste noch auffindbare digitale Umsetzung stammt von Colin Kern und trägt den Namen Profit. Eine einfache und intuitive – also dem Spiel entsprechende – Steuerung sowie ein ausgiebites Optionsmenü sind integriert.

Einstieg (ca. 25 Minuten): Großartiges Vorwissen braucht es nicht, um Acquire zu spielen. Grundsätzlich werden die relativ eingeschränkten Möglichkeiten innerhalb weniger Minuten während des Spielens klar, gerade in der digitalen Umsetzung, in der auf immer schön aufleuchtet, was man gerade tun kann. Um mitzubekommen, was sich im Spiel lohnt und was nicht, braucht es aber eine Weile länger. Übrigens gibt es in 40 Minuten auch eine umfassende Erklärung im How-To-Play-Podcast, die wirklich keinerlei Fragen mehr offen lassen sollte.

Carcassonne

Abstriche (marginal): Komplexitätsfaktor geht eher in Richtung Familienspiel.

Beschreibung: Carcassonne ist vielleicht das Designer-Brettspiel abseits des gigantischen Familienspiel-Marktes. Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass es nicht so weit entfernt von einem Familienspiel ist. Spieler ziehen und platzieren zufällig quadratische Teile einer sich im Verlauf einer Partie entwickelnden Landschaft. Nach dem Anlegen eines Teils können Arbeiter auf diesem platziert werden: Entweder als Bauern, die einen kompletten zusammenhängengen Grasbereich abdecken und am Spielende Punkte für angrenzenden Städte einbringen, Ritter die je nach Größe der entstehenden Stadt punkten oder Wegelagerer, die je nach Länge der von diesem Teil aus entstehenden Straße Punkte sammeln. Zudem gibt es auf speziellen Teilen – auf Klöstern – die Möglichkeit, Mönche zu platzieren, die am Spielende je nach Anzahl der umliegenden Felder Punkte zählen. Damit sind die Regeln im Grunde erklärt. Natürlich ist dabei viel Glück im Spiel, welche Teile in welcher Reihenfolge gezogen werden und wie sich das Brett entwickelt. Vorhersagen kann man als Spieler nur sehr bedingt treffen. Ein gewisser taktischer Anspruch – gerade in der Entscheidung zwischen den verschiedenen Arbeiter-Typen – ist dennoch nicht von der Hand zu weisen.

Digitale Version: Mit JCloisterZone gibt es eine sehr gute Java-Umsetzung, die das Spiel originalgetreu und gegen recht schlaue KI-Gegner spielbar macht. Zudem lassen sich im Optionsmenü sämtliche verfügbare Erweiterungen zum Spiel aktivieren. Content pur!

Einstieg (ca. 30 Minuten): In knapp 30 Minuten kann man sich das Spiel auf YouTube erklären lassen. Diese Erklärung ist ausgiebig und wiederholt viele Konzepte mehrfach, um sie wirklich jedem Zuschauer klar zu machen. Danach sollte dem sofortigen Losspielen nichts im Wege stehen.

Dominion

Abstriche (marginal): Relativ starke Abhängigkeit vom Zufall, dennoch meistens taktisch geprägt.

Beschreibung: Dominion ist ein sogenanntes „Deck-Building-Game“. Das heißt, Spieler bauen sich im Verlauf einer Partie aus ein paar spärlichen Startkarten ein möglichst mächtiges Kartendeck auf. Dabei gibt es diverse Aktionskarten, Punktekarten und Geldkarten. Erstere können vor dem Kauf weiterer Karten ausgespielt werden, lösen spezielle Ereignisse aus und geben dem Spieler bestimmte Vorteile, z.B. schlicht einen Bonus auf das in der Kauf-Phase eingesetzte Geld. Dieses ist nämlich abhängig von der gezogenen Hand aus – ohne Boni – fünf Karten, die in jeder Runde neu entsteht. Dies ist gleichzeitig ein hoher Spannungs- als auch ein hoher Zufallsfaktor im Spiel. Es kann sein, dass die besten Karten des Decks einfach nicht kommen wollen oder nicht an der richtigen Stelle bzw. in der richtigen Kombination. Natürlich versucht man schwächere Karten mit der Zeit aus seinem Deck zu eliminieren bzw. nur sehr gute Karten zu kaufen, jedoch führt dieses Verhalten, das sich unter Dominion-Fans als nahezu stets dominant herausgestellt hat, wiederum zur sehr eingeschränkten strategischen Möglichkeiten. Dominion hat seine Probleme, ist aber dennoch ein gutes Kartenspiel, das einige interessante Interaktionen durch die Verschiedenartigkeit der Aktionskarten bietet.

Digitale Version: Jatill hatte zwar mit einigen Copyright-Problemen zu kämpfen, hat aber mittlerweile eine Version des Spiels mit eigenen Grafiken online gestellt. Zwar fehlen an einigen Stellen noch Bilder und es existieren hier und da kleinere Bugs, aber das Spiel ist voll spielbar mit beliebig vielen KI-Gegnern.

Einstieg (ca. 20 Minuten): Dominion ist ziemlich unkompliziert. Für einen Überblick gibt es ein – vielleicht etwas zu euphorisches – Video-Review von Tom Vasel bzw. eine kompakte, aber umfassende Regel-Erklärung von Khorlith. Die Aktionskarten sind ohnehin selbsterklärend.

HeroQuest

Abstriche (merklich): Relativ wenige Möglichkeiten, stark zufallsbasierte Kämpfe, altbackene PC-Umsetzung.

Beschreibung: In diesem Rollen-Brettspiel hat jeder Spieler die Kontrolle über einen spezifischen Helden. Gemeinsam versucht die Gruppe sich in klassischer Dungeons-and-Dragons-Manier durch von Monstern befallene Labyrinthe zu kämpfen, um zu Ehre und Reichtümern zu gelangen. Klingt simpel? Ist es im Grunde auch. Zwar gibt es einige Spielmechaniken, die letztlich zum Ergebnis beitragen und zusammenwirken, aber im Grunde werden nach und nach Teile des Spielfeldes erkundet, ab und an besondere Ereignisse ausgelöst und Kämpfe per einfachem Würfelsystem ausgefochten.

Digitale Version: Gerwin Broers stellt auf seiner Seite eine leicht in die Jahre gekommene PC-Umsetzung des Spiels bereit. Diese vereinfacht einige System, ist aber weitgehend originalgetreu und beinhaltet einigen zusätzlichen Content: So kann ein zufallsgenerierter Dungeon für einen einzelnen Charakter erzeugt werden. Zudem gibt es zahlreiche von Usern angefertigte Szenarien zum Download.

Einstieg (ca. 15 Minuten): Im Grunde kann die PC-Umsetzung sofort relativ intuitiv losgespielt werden. Natürlich hilft es, wenn man das Brettspiel kennt. Wer ein wenig mehr zu den Regeln und z.B. der genaueren Auflösung der Kämpfe wissen möchte, kann z.B. das Handbuch von Peter Karsten durchforsten.

Kingsburg

Abstriche (marginal): Mit sehr viel Pech können die Würfel alleine das Spiel zerstören. Dies kommt aber nur selten vor.

Beschreibung: Kingsburg ist ein Würfelspiel. Das klingt erstmal nach viel Zufall. Ist es auch. Aber nicht so sehr, wie man es vermuten könnte. Die Spieler sind gewissermaßen die Schmiedes ihres eigenen Würfelglücks. Es gilt nämlich die – in der Regel – drei gewürfelten Zahlen geschickt auf das Spielbrett und damit die verschiedenen königlichen Berater aufzuteilen. Würfelt der Spieler beispielsweise eine 1, eine 4 und eine 3, so hat er diverse Optionen: Er könnte alle drei Würfel addieren und mit einem Wert von 8 direkt den Schatzmeister beeinflussen und zwei Goldstücke kassieren. Andererseits könnte er die 1 auf den Hofnarren anwenden und somit einen Siegpunkt erhalten. Dann hätte er immer noch die Möglichkeit, die restlichen 7 Augen zusammen für einen möglicherweise mächtigeren Berater zu verwenden oder die 3 und die 4 einzeln für zwei andere Berater. Je nachdem, welche Gebäude der Spieler in der nächsten Bauphase errichten möchte bzw. ob er noch militärische Unterstützung für den winterlichen Angriff auf die Provinz benötigt, sind hier andere Entscheidungen gewinnbringender. Erschwert wird die strategische Planung dadurch, dass die Spieler reihum ihre Würfel platzieren. Das heißt, es birgt ein gewisses Risiko, seine Würfel aufzuteilen, da die angestrebten Berater eine Runde später vielleicht schon besetzt sein könnten. Ein hoch interessantes System, das Kingsburg trotz der hohen Würfelabhängigkeit zu einem großartigen Spiel macht.

Digitale Version: Es gibt eine Java-Version des Spiels von Thomas Arnold. Dabei handelt es sich um eine grundsolide Umsetzung inklusive Original-Artwork und verschiedenen KI-Stärken. Beim Spiel gegen zwei leichte KI-Gegner hängt sich das Spiel – zumindest bei mir – allerdings regelmäßig auf. Die Lösung: Gegen die Normal-KI spielen. Diese ist leicht genug, sodass man auch als Anfänger nicht völlig abgeschlagen auf der Siegpunkt-Straße hinterherrennt.

Einstieg (ca. 30 Minuten): Eine wirklich gute Erklärung in Video- oder Audio-Form gibt es leider nicht, weshalb es einige Eigeninitiative bei der Erarbeitung des Spielprinzips, das aber wirklich nicht unendlich kompliziert ist, erfordert. Eine gute Hilfe ist dabei die Anleitung einer Online-Umsetzung des Spiels auf Brettspielwelt.

Magic Realm

Abstriche (merklich): Enormer Einarbeitungsaufwand. An sehr vielen Stellen extremes Gewicht auf Zufallsfaktoren.

Beschreibung: Bei Magic Realm handelt es sich um ein ultrakomplexes und vertracktes Rollenspiel-System, das aber dennoch äußerst durchdacht daherkommt und daher über die Jahre hinweg (1979 bis heute) auch unzählige Anhänger um sich gescharrt hat. Grob gesagt handelte es sich um ein klassisches Abenteuer-RPG. Jeder Spieler wählt eine Heldenklasse und versucht sich in der zufällig aus Tiles zusammengestellten Welt einen Namen zu machen. Wahlweise kann dies durch das Anhäufen von Schätzen, das Töten von Monstern oder das Wirken mächtiger Magie geschehen. Züge bestehen aus vier Aktionen – beispielsweise drei Schritten auf dem Spielfeld und einer Aktion wie „Suchen“ oder „Verstecken“ – und werden von den Spielern vorausgeplant. Das heißt auch, dass eine Aktion möglicherweise nicht ausgeführt werden kann, wenn eine vorherige fehlschlägt. Sucht der Spieler beispielsweise einen versteckten Übergang und will diesen anschließend benutzen, so klappt das nur, wenn die Suche nicht fehlschlägt. Ob Aktionen erfolgreich verlaufen, entscheiden wie so oft Würfel. Diese sind in Verknüpfung mit anderen Zufallsfaktoren auch die größten Feinde der Spieler im Kampf gegen die zahlreichen Monster im Spiel. So kann ein eigentlich leicht wirkender Kampf schnell zum Würfel-Hoffnungs-Krampf werden. Dennoch: Wer sich gerne in epischen Geschichten, fantastischen Welten und komplexen Systemen verliert, der wird mit Magic Realm höchstwahrscheinlich sehr glücklich.

Digitale Version: Seit einigen Jahren ermöglicht es die Java-Umsetzung RealmSpeak, das Spiel online zu spielen. Seiner Natur nach kann das Spiel ähnlich wie HeroQuest natürlich auch allein – also mit einem oder mehreren, in der Regel zusammenarbeitenden, vom gleichen Spieler kontrollierten Helden – gespielt werden. Die Umsetzung ist originalgetreu, aber mit unzähligen Einstellungsmöglichkeiten ausgestattet. Unter anderem gibt es völlig neu designte Monster-Tiles, die wichtige Zusatzinformationen enthalten, die ansonsten nur im Regelwerk nachzulesen sind.

Einstieg (mindestens 3 Stunden): Magic Realm ist kompliziert und erstmal verdammt unübersichtlich. Die Episode des How-To-Play-Podcasts zum Spiel dauert fast zwei Stunden. Danach kann das Spiel zwar gespielt werden, aber den richtigen Durchblick bekommt man erst im Laufe der Zeit. Hilfreich zum Nachschlagen ist diese Fanseite. Dort gibt es die überarbeitete dritte Auflage des Handbuchs – welches seinerseits 120 Seiten umfasst – und die hilfreiche Kurzvariante „The Least You Need To Know To Play Magic Realm“. Vom „Beherrschen“ des Spiels und der verschiedenen Charakterklassen kann natürlich auch nach mehreren Stunden noch lange keine Rede sein. Spaß macht es aber nach einer Weile trotzdem, als eindimensionaler Berserker durch die Lande zu streifen, und Monster auf der Suche nach Schätzen zu jagen.

Modern Art

Abstriche (marginal): Sehr simples, reines – aber an sich sehr gut funktionierendes und durchdachtes – Auktions-Spiel ohne tiefere Interaktionen zwischen mehreren Systemen.

Beschreibung: Modern Art ist ein weiteres Spiel von Reiner Knizia und neben Ra ein weiteres Auktions-Spiel. Grob gesagt geht es für die Spieler darum, pro Runde möglichst viele Bilder der jeweils erfolgreichsten Künstler im Spiel zu ersteigern und diese dann für einen – je nach Erfolg des Künstlers mehr oder weniger – höheren Preis zu verkaufen. Dabei gibt es verschiedene Arten von Auktionen, die mit Hilfe von zufällig gezogenen Karten gestartet werden können. So einfach, so gut.

Digitale Version: BoardGameGeek-Mitglied Gabriel Rocklin hat wie im Falle des etwas komplexeren Ra eine einfache Singleplayer-Version des Spiels erstellt, in der gegen drei KI-Gegner angetreten werden kann. Die Grafik ist schematisch und unspektakulär (leider kaum Original-Artworks), aber absolut funktional. Zum Erkunden des Spielprinzips eignet sich das Programm allemal.

Einstieg (ca. 20 Minuten): In einem YouTube-Video-Review werden die Regeln innerhalb von weniger als zehn Minuten erklärt. Nach ein paar gespielten Runden sollte dann alles klar sein. Das Spiel ist sehr simpel, aber dennoch strategisch nicht völlig anspruchslos.

No Thanks!

Abstriche (merklich): Mehr oder weniger ein aufgepepptes Glücksspiel.

Beschreibung: No Thanks! ist ein sehr einfaches und größtenteils glücksbasiertes Kartenspiel. Die Karten sind mit den Zahlen von 3 bis 35 beschriftet und bringen dementsprechend viele Punkte. Die Karten werden in zufälliger Reihenfolge aufgedeckt. Die Spieler entscheiden nun reihum, ob sie die Karte nehmen oder „Nein, danke!“ sagen und dafür einen Chip ablegen. Chips zählen -1 Punkte. Es gewinnt der Spieler mit der niedrigsten Punktzahl am Ende. Der Twist: Zahlenreihen zählen nur so viel, wie die niedrigste Zahl der Reihe. Die Reihe 10,11,12 zählt beispielsweise einfach nur 10 Punkte. Das wars!

Digitale Version: Das bisher einzige Projekt der Canyon Point Studios war die Umsetzung des Spiels in Java. Das Programm ist leicht zu bedienen und funktioniert einwandfrei.

Einstieg (ca. 5 Minuten): „Learn How To Play No Thanks! In Under 5 Minutes“: Video.

Rails

Abstriche (merklich): Teils sehr langwierig und über mehrere aufeinanderfolgende Runden wenig interessant.

Beschreibung: Rails ist ein PC-Spiel, das in Anlehnung an das Brettspiel Eurorails entstanden ist. Es geht wie der Name schon sagt darum, möglichst günstig Schienen zu verlegen und auf diesen mit einem Zug pro Spieler möglichst effizient bestimmte Güter-Lieferungen durchzuführen. Die Aufträge bringen unterschiedlich viel Geld ein und liegen unterschiedlich günstig auf den auf Wunsch zufällig generierten Landkarten verteilt. Zunächst gilt es, das entsprechende Gut in einer produzierenden Stadt abzuholen. Anschließend muss es an den Wunsch-Ort transportiert werden. Dabei können auch bereits verlegte Gleise anderer Spieler verwendet werden, allerdings kostet dies eine Gebühr. Hier gilt es also mal wieder, den knallharten Railroad Tycoon raushängen zu lassen.

Digitale Version: Wie gesagt ist Rails ein an ein Brettspiel angelehntes Computerspiel. Zwar ist das Programm etwas in die Jahre gekommen, aber es funktioniert auch auf Windows 7 einwandfrei.

Einstieg (ca. 30 Minuten): Mit der Installation wird auch die Spielanleitung sowie eine Kurzübersicht über Streckenkosten und alle wichtigen Informationen kopiert. Einmal durchlesen und es kann losgehen.

Risk

Abstriche (marginal): Artet schnell zum reinen „Würfel-Krieg“ aus, dennoch ein nicht völlig uninteressanter Brettspiel-Klassiker.

Beschreibung: Ebenfalls ein äußerst bekanntes Brettspiel ist das strategische Kriegs-Würfelspiel Risiko. Das Prinzip ist so simpel wie gnadenlos: Einheiten platzieren, Einheiten bewegen, Einheiten angreifen. Und das solange, bis einer Streitmacht die Welt gehört. Kämpfe werden durch Würfel entschieden. Immerhin lässt sich das Glück ein wenig beeinflussen. Je mehr eine Streitmacht einer anderen zahlenmäßig überlegen ist, desto mehr Würfel dürfen eingesetzt werden. So kommt es beispielsweise zu einem 3:1-Würfel-Kampf. Nun reicht der 3er-Streitmacht bereits ein einzelnen Würfel mit einer höheren Augenzahl als die des einen Würfels des Feindes. Dennoch: Risiko ist und bleibt im Kern ein Würfelspiel, in dem wahnsinnig viel schief gehen kann, auch wenn ein Spieler seine Züge nahezu perfekt durchplant.

Digitale Version: Yura Mamyrin stellt mit Domination eine hervoragende Umsetzung des Spiels für zahlreiche Plattformen zur Verfügung. Das Interface ist modern und es wird intuitiv ersichtlich, was auf dem Spielfeld passiert. Große Klasse!

Einstieg (ca. 10 Minuten): Die Regeln werden intuitiv beim Spielen klar, auch weil am unteren Bildrand immer wieder eingeblendet wird, was passiert bzw. was der Spieler gerade tun muss. Den Rest kriegt man im Laufe der Zeit mit.

Settlers Of Catan

Abstriche (marginal): Familienspiel mit viel Zufall und wenig Taktik. Trotzdem spaßig.

Beschreibung: Wer hat noch nichts von den „Siedlern von Catan“ gehört? Schließlich handelt es sich dabei um eines der bekanntesten Brett- und Familienspiele unserer Zeit. Natürlich gibt es deshalb auch viele verschiedene kostenlose und kommerzielle Umsetzungen für diverseste digitale Plattformen. Das Spielprinzip selbst ist einfach: Ressourcen sammeln und damit Städte sowie Straßen bauen. Das Problem – sowohl für Spieler als auch aus analytischer Design-Sicht – an der Sache: Ob ein Spieler Ressourcen bekommt und, wenn ja, welche, hängt von den guten alten Würfeln ab – und zwar ausschließlich. Dennoch kann das Spiel vor allem aufgrund des hohen Grades an Interaktion mit den anderen Spielern (Handel, Raub etc.) Spaß machen.

Digitale Version: Die beste kostenfreie und zugleich uneingeschränkt spielbare – dafür grafisch eher spartanische – Version ist Solitaire Catan von Steven De Toni. Entgegen dem Namen, der in der Brettspielwelt eher eine eigens für einen Spieler ausgelegte Variante des Regel-Systems andeutet, handelt es sich dabei um das ganz normale Catan-Spiel – eben nur mit Computergegnern.

Einstieg (ca. 20 Minuten): Kompliziert ist Catan wirklich nicht. Wer möchte, kann sich die halbstündige und allumfassende Episode des How-To-Play-Podcasts anhören. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, ein kostenloses Einführungsspiel mit interaktivem Tutorial auf PlayCatan zu spielen. Wann hat man bei einem Brettspiel schonmal die Möglichkeit dazu?

Titan

Abstriche (marginal): Für Einsteiger teilweise verwirrendes – an sich aber hervorragendes – Spielprinzip. Die Grafik der Umsetzung ist zudem eher spartanisch.

Beschreibung: Bei Titan handelt es sich um ein strategisches Kriegsspiel in einer fantastischen Welt. Spieler bewegen ihre Legionen aus diversen Fabelwesen – inklusive ihrem Titanen, den es um jeden Preis zu schützen gilt – über ein aus verschiedenen inneren und äußeren Strecken bestehendes Spielfeld. In jedem Zug können maximal aus sieben Einheiten bestehende Legionen aufgeteilt, bewegt und schließlich erweitert werden. Letzterer Schritt ist aber nur dann verfügbar, wenn die entsprechende Legion auf einem zum Rekrutieren neuer Einheiten geeigneten Feld landet. Die Bewegung der Legionen wirkt dabei zunächst seltsam kompliziert, da sie sich nicht frei bewegen können, sondern nur entlang bestimmter Strecken, die aber unter bestimmten Umständen gewechselt werden können. Treffen zwei Legionen zwei verschiedener Spieler aufeinander kommt es zum Konflikt, in dem entweder ein Spieler flieht und seine Legion aufgibt, dem anderen Spieler dafür aber auch nur die Hälfte der eigentlich zu erreichenden Punkte im Kampf zuspielt, oder ein gesondertes Mini-Spielfeld aufgemacht wird. In diesem werden dann alle Einheiten einzeln taktisch platziert und treten gegeneinander an.

Digitale Version: In Colossus gibt es eine originalgetreue Java-Umsetzung des Spiels. Diese hat in jedem Fall den Vorteil gegenüber dem Brettspiel, dass sie einem die zunächst verwirrenden Bewegungsmöglichkeiten per Feld-Highlighting vorgibt. Auch ansonsten lässt die Umsetzung trotz spartanischer Grafik kaum Wünsche offen und stellt diverse Komfort- und Interface-Funktionen bereit.

Einstieg (ca. 45 Minuten): Das Tutorial-Video der iPad-Version ist keine zehn Minuten lang, lässt aber noch einige Fragen offen. Diese lassen sich aber dank des informativen Interfaces der Java-Version schnell im Spiel beantworten. Titan ist nicht sonderlich kompliziert, aber – vor allem in der Bewegung der Legionen – ziemlich ungewohnt.

Zombie In My Pocket

Abstriche (merklich): Der Erfolg des Spielers hängt zu mindestens 90% vom Zufall ab. Ein kurzes Spiel zwischendurch ist trotzdem ab und an drin.

Beschreibung: Bei Zombie In My Pocket hat es der geneigte Brettspieler mit einem Print-And-Play-Game zu tun. Das heißt, es ist ursprünglich zum Ausdrucken, Ausschneiden und dann Spielen gedacht. Das Spiel ist dabei ausschließlich für einen Spieler – also tatsächlich als Solitaire-Spiel – gedacht. Dieser eine Spieler zieht zufällig Tiles, auf denen bestimmte Räume und andere Örtlichkeiten zu sehen sind. Diese Tiles müssen passend an das bisherige Spielfeld angelegt werden. Je nach Art des Feldes und des Spielfortschritts wird nun eine andere Aktion beim Betreten ausgelöst. Ziel des Spiels: Ein Totem zu finden und im Garten zu vergraben. Warum? Ach, richtig: Die Spielwelt – sprich das Haus, in dem der Spieler sich befindet – ist von Zombies überrannt. Ab und zu muss auch noch gegen ein paar Grünlinge gekämpft werden. Hoffentlich hat man zu diesem Zeitpunkt schon die Kettensäge gefunden. Ja, hoffentlich. Das Spiel läuft natürlich sehr zufällig ab. Mal kann es sehr leicht sein, das Totem sofort am Anfang zu finden und somit zu gewinnen. Ein anderes mal aber schlicht unmöglich aufgrund der ungünstigen Verteilung bzw. Reihenfolge der Tiles. Aber das ist ja auch ein Reiz, nicht wahr? Zumindest dauert eine Partie meistens nur ungefähr 10 Minuten, weshalb sich häufige Niederlagen eher verschmerzen lassen.

Digitale Version: Eine 1:1-Umsetzung stellt Zombie In My PC dar.

Einstieg (ca. 10 Minuten): Das Spielprinzip dürfte nahezu von allein klar werden. Für Video-Gucker: Hier.

Kommerzielle Umsetzungen (Auszug)

1830

Beschreibung: Noch ein Eisenbahn-Spiel! 1830 geht aber noch einen Schritt weiter, indem es eine Acquire-ähnliche Aktien-Mechanik einbaut. Die Spieler kaufen Anteile an Firmen, die mit genügend Startkapital mit dem jeweiligen Spieler als Presidenten gegründet werden. Dabei wird strikt zwischen privatem und Firmenvermögen unterschieden. Das Ziel ist es nun natürlich, so geschickt wie möglich vorzugehen, um die Firma und damit sich selbst reich zu machen. Im späteren Verlauf können auch zusätzlich Anteile anderer Firmen erworben werden. Letztlich entspinnt sich ein komplexes Geflecht aus möglichen Interaktionen und ein Spielsystem, das seither auf zahlreiche Spiele der sogenannten 18xx-Reihe angewandt wurde.

Digitale Version: Das offizielle PC-Spiel zu 1830 von Simtex ist längst vergriffen, könnte aber als sogenannte „Abandonware“ gelten. Natürlich ist es trotzdem schon sehr altbacken. Momentan befindet sich aber eine Java-Version des Spielsystems in Fan-Entwicklung – allerdings ist diese bislang noch ohne KI-Gegner.

Einstieg (ca. 2 Stunden): An der Länge der Episode des How-To-Play-Podcasts wird deutlich, wie komplex dieses Spiel ist. Dies liegt an den vielen verschiedenen Systemen, die auf viele Weisen miteinander verknüpft sind und zahlreichen Sonderregeln. Nach dem Hören des Podcasts sollte man aber auf fast alles vorbereitet sein.

Empfehlung: Auf modernere und möglicherweise kostenlose Umsetzungen warten! 1830 von Simtex muss man nicht wirklich am PC spielen. Zu sehr ist das Programm in die Jahre gekommen. Das Spielprinzip allein ist aber interessant genug, um sich eine Weile damit zu befassen, auch ganz ohne passendes Spiel.

Advanced Civilization

Beschreibung: Die Erweiterung des Brettspiels Civilization stellt vermutlich eines der epischsten Spiele aller Zeite dar. Viele Spieler berichten davon, das Spiel nie zu Ende gespielt zu haben, da einer Partie gerne mal zwölf Stunden und länger dauern kann. Am PC dank Speichern und Laden natürlich kein so großes Problem. Auch das Thema des Spiels steht dem Zeitaufwand in nichts nach: Es geht schlicht und ergreifend darum, die großartigste Zivilisation aller Zeiten zu gründen und zu führen. Ganz wie beim vom Grundspiel inspirierten Sid Meier’s Civilization eben. Natürlich ist dies hier aber noch deutlich mehr ein Brettspiel und hat typische Mechaniken wie das klassische verschieben von Spielsteinen auf Spielfeldern und das Fortschreiten auf einer Art Technologie-Brett. Möglicherweise ein Vorteil gegenüber Sid Meiers‘ Umsetzung: Die Kämpfe sind nicht so sehr zufallsbasiert, sondern laufen ganz deterministisch ab: Befinden sich zwei verschiedene Völker auf einem Feld und überschreiten das Populationslimit des Feldes, wird abwechselnd – beginnend bei der größeren Gruppierung – ein Spielstein „getötet“ bis das Limit des Feldes nicht mehr überschritten wird. Dies macht die strategische Planung um einiges leichter – und damit auch wirklich strategischer.

Digitale Version: Die offizielle Umsetzung von Avalon Hill ist vergriffen, könnte aber als sogenannte „Abandonware“ gelten.

Einstieg (ca. 90 Minuten): Auch hier hilft Ryan Sturm mit seinem How-To-Play-Podcast in gut einer Stunde.

Empfehlung: Wirklich gut spielen lässt sich Advanced Civilization nicht mehr. Die Technik ist überholt, der Spielablauf am PC doch sehr träge. Aus historischen Gründen ist es aber durchaus lohnenswert, das System kennenzulernen, das so großen Einfluss auf die Entwicklung der Brett- und auch Computerspiele hatte.

Ingenious

Beschreibung: Das in Deutschland als „Einfach Genial“ bekannte Ingenious ist ein abstraktes – d.h. ohne Thema, ohne Pyramiden, ohne Drachen, ohne alles – Brettspiel von Reiner Knizia. Spielsteine bestehen hier aus zwei aneinandergeschweißten Hex-Feldern. Diese gilt es nun, möglichst geschickt zu platzieren: Felder mit dem selben Symbol, die an das gelegte Feld angrenzen, geben Punkte – und zwar so viele, wie gleichartige Symbole in einer gerade Reihe liegen. Die Spieler bekommen dabei Punkte für jedes einzelne Symbol. Die tatsächliche Punktzahl des Spielers ist jedoch die niedrigste aller Symbole. Es nutzt also nichts, 15 Punkte des grünen Kreises zu haben, wenn man nur 4 des blauen Sterns hat. Die Gesamtpunktzahl wäre dann nämlich einfach nur 4. Somit ist ausgewogenes taktisches Spielen gefragt.

Digitale Version: Eine günstig zu habende und grundsolide umgesetzte Version mit diversen Spielmodi und Schwierigkeitsgraden befindet sich unter dem Namen „Einfach Genial 2.0“ im handel.

Einstieg (ca. 10 Minuten): Per Ingame-Tutorial wird alles wichtige in wenigen Schritten erklärt. Hier gilt – wie so oft bei Designer-Koryphäe Knizia – das Motto: „Easy to learn, hard to master“. Wer herausfinden will, ob das Spiel interessant sein könnte, schaut ein Video oder spielt einfach die einstündige Demoversion an.

Empfehlung: Wer nichts gegen völlig abstrakte Spiele hat, sollte unbedingt die Demo anspielen. Die Umsetzung ist hochwertig und lässt kaum Wünsche offen. Das Spielprinzip ist ohnehin einzigartig. Top!

Ticket To Ride

Beschreibung: Bei Ticket To Ride handelt es sich um ein weiteres sehr erfolgreiches Familienspiel. Auch hier geht es um Züge – und zwar deren geschickte Platzierung auf dem Spielbrett. Spieler haben dabei reihum jeweils drei Alternativen: Zug-Karten ziehen, Destinations-Karten ziehen oder ausreichend viele Zug-Karten spielen, um eine Strecke auf dem Feld in ihrer Farbe für Punkte anzulegen. Zusatzpunkte gibt es, wenn die auf den Destinations-Karten vorgegebenen Langstrecken komplett aus der Farbe des jeweiligen Spielers bestehen. Das ermöglicht natürlich ein paar fiese Tricks: Wird ersichtlich, dass ein Spieler auf eine bestimmte Langstrecke abzielt, kann ein anderer Spieler diese beispielsweise gezielt blockieren, denn nicht erfüllte Destinations-Tickets geben am Ende des Spiels Strafpunkte. Natürlich ist auch hier familienspieltypisch viel Zufall durch das zufällige Auftauchen der Karten im Spiel. Dennoch entstehen immer wieder interessante Situationen und es ergeben sich durchaus taktische Möglichkeiten im Spielverlauf.

Digitale Version: Das Spiel darf direkt beim Hersteller Days Of Wonder online (auch allein gegen Computergegner) ausprobiert werden. Eine Hochglanzvariante gibt es für ein paar Euro auf Steam.

Einstieg (ca. 15 Minuten): Ein kurzes Tutorial-Video schauen oder wahlweise eine Viertelstunde beim How-To-Play-Podcast reinhören. Das sollte auch schon reichen!

Empfehlung: Kostenlos online anspielen und dann entscheiden! Als seichter Brettspiel-Spaß zwischendurch – ohne das Erfordernis ausufernd komplexer strategischer Planung – eignet sich Ticket To Ride hervorragend.

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