Indie Investigation: Dungeons of Dredmor

Dungeons of Dredmor
Entwickler: Gaslamp Games
Release: 13.07.2011
Preis: 4,49€ (Steam)
Genre: Roguelike-RPG
Aktuelle Version: 1.0.3

Mitte Juli erschien also endlich das von mir lange erwartete und bereits in diversen Roguelike Reports verfolgte Debütspiel der Kanadier von Gaslamp Games. Das Spiel schoss sofort auf Rang 1 der Steam-Verkaufscharts und konnte sich seither immer wieder in den vorderen Rängen platzieren. Zu Beginn durch die zig Supportanfragen etwas überfordert, ist nach den nötigsten Patches mittlerweile wieder etwas Ruhe beim Entwickler eingekehrt und es kann sich auf zukünftige Updates und inhaltliche Erweiterungen konzentriert werden.
Ob der Erfolg des Roguelike-RPGs gerechtfertig ist, versuche ich im Folgenden herauszufinden.

Grafik: 7/10
Sicher, Dungeons of Dredmor gewinnt – auch als wohl schönstes Roguelike aller Zeiten – keinen Preis für technische Extravaganz. Dennoch wirken die Zufallsdungeons (jedes der 10 Level ist in einem anderen Stil gehalten) stimmig und die handgezeichneten Animationen liebevoll umgesetzt. Ein ums andere mal fühlt man sich an alte Lucas-Arts-Zeiten erinnert.
Negativ erwähnt werden muss sicher die Tatsache, dass man neu ergatterte Ausrüstung nicht am Charaktermodell sieht, was eben auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Spielerfigur immer als ganzes animiert wird. Allerdings gibt es hier auch schon Vorschläge aus der Community, wahlweise vielleicht ein statisches Charaktermodell (ohne Animationen, ähnlich anderen Roguelikes wie Dungeon Crawl etc.) anzubieten, an dem man dann sämtliche Ausrüstungsänderungen sichtbar machen könnte.
Insgesamt ist die Grafik aber sehr ordentlich und Art Director David Baumgart beweist viel Liebe fürs Detail.

Sound: 7/10
Oh, diese Titelmusik. Einmal im Hauptmenü gehört, bekommt man die bombastische Fanfare nicht mehr aus dem Ohr. Natürlich ist dies aber zugleich das beste Stück im Dredmor-Soundtrack. Die weiteren Musiken können da nicht ganz mithalten, sind aber qualitativ hochwertig und abwechslungsreich.
Spärlich werden auch Soundeffekte eingesetzt, vor allem wenn man auf Gegner eindrischt und diese diverse Laute von Knurren bis Fiepen von sich geben. Gerade das schrille und immergleiche Quietschen der Diggles kann nach einer Weile nerven.
Dennoch ist wie gesagt allein das Titelstück schon einige Punkte in der Soundkategorie wert.

Steuerung: 11/15
Dungeons of Dredmor bringt also das Genre der Roguelikes an die Massen. Sicher gelingt dies auch aufgrund der deutlich vereinfachten Steuerung. Im Gegensatz zu den großen Genrekollegen Dungeon Crawl, Nethack und Co. sind hier nicht sämtliche Tasten des Keyboards mit irgendwelchen Funktionen belegt, sondern Hotkeys dienen lediglich der Unterstützung.
Das Interface ist größtenteils auf die Maus ausgelegt. Gegenstände hin- und herschieben und benutzen, Ausrüstung ausprobieren, die Dungeons durchsuchen, Gegner attackieren, Skills auswählen und auslösen, alles kann komplett mit der Maus erledigt werden. Löblich sind solche Komfortfunktionen wie der Sortieren-Button im Inventar (das sollten sich einige große Spiele mal abschauen!) oder die bereits aus anderen RPGs bekannten Hotbars.
Abzüge gibt es allerdings auch in dieser Kategorie, z.B. für das recht umständliche und unübersichtliche Crafting-System (Crafting-Slots öffnen, Rezepte öffnen, komplett durchscrollen, auswählen, Crafting-Slots füllen, craften). Was ebenfalls fehlt, ist die Markierung wichtiger Orte (z.B. Schreine) auf der (ansonsten guten) Minimap, was aber in naher Zukunft nachgereicht werden soll. Auch lassen sich z.B. Kisten bislang nur mit einem Mausklick öffnen, die Tastatur ermöglicht nur das Angreifen von Gegnern und Öffnen von Türen, aber auch hier wird noch nachgebessert.
Eine Aufwertung ist hier möglich, sofern der Entwickler die versprochenen Features noch einbaut. Ansonsten hat man es momentan mit einer prinzipiell guten und leicht von der Hand gehenden Steuerung mit einigen Macken zu tun.

Balancing: 13/15
Das Balancing in einem Rollenspiel (dann auch noch in einem mit über 30 Skills, aus denen man sieben zu Beginn eines jeden Durchgangs völlig frei wählen kann) ist ja nie ganz leicht, weshalb dort auch das meiste nachgebessert wird. So kam es in den bisherigen Updates beispielsweise schon zur Abschwächung einiger Zauber. Nach wie vor gibt es zwar einige übertrieben nützliche Fähigkeiten, aber auch das wird sicher in Kürze behoben werden.
Der große (möglicherweise) Pluspunkt, den das Spiel gegenüber Genrekollegen hat, ist aber der Schwierigkeitsgrad. Bei Hardcore-Roguelikes oft abschreckend hoch, lässt sich hier nicht nur zwischen drei Schwierigkeitstufen wählen, sondern auch noch Permadeath (das Savegame wird beim Tot des Charakters unwiderruflich gelöscht) deaktivieren. Letzteres ist für echte Roguelike-Fans natürlich keine Option, dürfte aber dem ein oder anderen gefallen, der bislang Standard-RPG-Kost à la Diablo gewohnt war. Im Spielverlauf steigt der Schwierigkeitsgrad in tieferen Dungeonlevels deutlich an, was das Spiel aber angenehm fordernd macht. Zur Not kann man ja auch immer noch eine Ebene zurück nach oben gehen und dort weiter die stetig gespawnten Monster verprügeln.
Für die Anzahl an Kombinationsmöglichkeiten bei der Charaktererstellung macht Dungeons of Dredmor in Sachen Balancing schon jetzt vieles richtig.

Atmosphäre: 27/30
Relativ standardmäßige Dungeons, die man aus allerlei Roguelikes und Action-RPGs gewohnt ist, treffen in der Welt von Dredmor auf zum Teil völlig abgedrehte Gegner (Diggles, Mustache Spirit, Carrotty) und zahlreiche humoristische Einlagen („A man-eating carrot. Not to be confused with a man eating carrot.“).  Trotzdem funktioniert die Spielwelt und lässt sich als solche auch ernst nehmen. Hier wirkt nichts fehl am Platz und man wird am laufenden Band von neuen verrückten Einfällen der Entwickler, was Gegner, Gegenstände (es gibt übrigens dutzende Käsesorten zur Wiederherstellung der Lebensenergie) und zufallsgenerierte Quests (die sich zumeist allerdings leider auf das simple Töten eines bestimmten Bossgegners oder auf das Auffinden eines Artefakts beschränken) angeht, überrascht. Auch die teils sehr eigenartigen Skills (Mathemagic, Fleshsmithing, Fungal Arts) passen hier wie die Faust aufs Auge.
Dungeons of Dredmor nimmt sämtliche Fantasy-Klischees auf die Schippe und erzeugt eine einzigartige Atmosphäre in einem eigenständigen Spieluniversum, das dennoch – durch das (teils natürlich ironische) Einstreuen standardisierter Ausrüstung, Skills etc. – vertraut wirkt.

Umfang: 17/20
Die zehn Dungeonebenen in jedem Durchgang sind komplett zufallsgeneriert, es gleicht also keine Partie einer vorherigen. An einigen Stellen der ansonsten abwechslungsreichen Gänge erkennt man bausteinartige Passagen wieder, aber dafür wirken die Gewölbe fast immer authentisch und sinnvoll. Dies erzeugt gemeinsam mit den zig Kombinationsmöglichkeiten in Sachen Skillwahl eine hohe Wiederspielbarkeit, wie sie für Roguelikes ja auch typisch ist (sterben werdet ihr vermutlich übrigens recht häufig, aber das macht gar nichts, denn das Motto ist wie in jedem Roguelike auch hier: „Losing is fun!“ Und falls ihr doch mal gewinnen solltet, gibt es vielleicht ja noch einen höheren Schwierigkeitsgrad, zumindest aber sicher noch zahlreiche andere Skillkombinationen).
Des Weiteren sind die einzelnen Ebenen auch ziemlich groß und es gibt viel zu entdecken. Da können schonmal ein, zwei Stunden für eine einzige Ebene drauf gehen (und das ziemlich schnell, denn das aus Diablo bekannt Suchtprinzip „Nur noch ein Raum! Nur noch ein Gegner! Nur noch die neue Waffe ausprobieren! Verdammt, mir fehlt nur noch eine Zutat! Na dann eben noch die nächste Ebene…“ stellt sich auch hier sofort ein.)
Gerade für den niedrigen Preis bietet das Spiel einiges an Inhalt. Die Spielzeit wird durch die hohe Wiederspielbarkeit nochmal in die Höhe getrieben und sollte wirklich jeden Roguelike- und/oder RPG-Fan, der sich nicht am Fehlen einer Ober- bzw. Außenwelt stört und von langen Streifzügen durch riesige Dungeons nicht zu früh gelangweilt wird, zufriedenstellen.

Gesamtwertung: 82%

Fazit: Dungeons of Dredmor hat seinen Platz in einer eigenen Nische der Indie-Gaming-Welt gefunden und macht bereits jetzt vieles richtig und wird mit zukünftigen Patches und Erweiterungen sicher noch besser werden. Eine zukünftige Aufwertung ist sehr wahrscheinlich, sobald die zahlreichen angekündigten Features eingebaut worden sind.
Das lange Warten hat sich definitiv gelohnt und für weniger als 5€ und mittlerweile einer Spielzeit von insgesamt ca. 30 Stunden (und es werden noch einige mehr), kann ich mich auch über das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht im geringsten beschweren.
Jedem Freund von Roguelikes und auch Rollenspielen im Allgemeinen kann ich nur empfehlen, einen Blick auf das Spiel zu werfen. Es eignet sich sowohl für ein paar Minuten zwischendurch als auch für nächtelanges „Powerplay“. Wer es einmal in Bewegung sehen will, kann das z.B. bei TotalBiscuit tun.

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2 Responses to Indie Investigation: Dungeons of Dredmor

  1. Max sagt:

    Cooler test, danke dafür, meiner meinung nach aber ist das Spiel zwar großartig und macht viel Spaß, würde ihm aber weniger Punkte geben:
    Grafik: 5/10 weil das Spiel zwar stimmungsvoll ist, aber halt (wie bei einem Indie Projekt üblich) vollkommen veraltet.
    Sound: 8/10: Ist halt einfach Geschmackssache, mir gefällt der Sound und die Diggles stören mich eigentlich überhaupt nicht!
    Steuerung: 13/15: Finde es gut zu steuern, nervig ist nur, dass die Autofill funktion bei Crafting nicht bei angelegten Gegenständen funktioniert.
    Balancing: 10/15: Das Spiel ist einfach noch nicht fertig gebalanced, maces z.b ist allen anderen Waffenskills überlegen, weil es dafür (laut dungeons of dredmore wiki) einfach die besten Waffen gibt.
    Atmosphäre 27/30: ganz deiner Meinung.
    Umfang 12/20. 1. es gibt, wie man beim dungeons of dredmor wiki nicht ganz so viele Gegenstände, wie man sich am Anfang erwartet, eigentlich ist die Auswahl an Gegenständen (meiner Meinung nach sogar relativ begrenzt). 2. Es stimmt zwar das der dungeon stets zufallsgeneriert ist, allerdings heisst zufallsgeneriert in diesem fall nicht, dass immer neue Levelelemente generiert werden, sondern dass die verschiedenen Räume einfach in immer neuen Combinationen miteinander verknüpft werden Dies fällt zwar zu Beginn nicht auf, aber nach dem 10 Versuch, beginnt man das zu bemerken!
    Also gesammt 75 Punkte und für 5 Euro durchaus ein verdammt gutes Indie-Spiel!

  2. Nachtfischer sagt:

    Hey, schön, dass dir der Test gefällt und vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

    Nochmal kurz zum Umfang: Stimmt zwar, dass man irgendwann immer die gleichen Gegenstände und Dungeonräume auffindet, aber durch die zufälligen Variationen macht es immer wieder erneut Spaß und ich habe so schon dutzende Stunden mit dem Spiel verbracht. Deshalb finde ich eine höhere Wertung dort gerechtfertigt.

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