Geheimtipp: Defense Of The Oasis

Das Strategiespiel Oasis von Mindcontrol Software erschien 2005 für den PC (ist in dieser Version allerdings – jedenfalls momentan – schwer zu bekommen, dafür aber für Mac) und fünf Jahre später als Defense Of The Oasis im iOS App Store (mittlerweile inklusive kostenloser Lite Version). Als Pharaoh im mythisch angehauchten alten Ägypten ist es das Ziel des Spielers, das bedrohte Königreich aufzubauen und zu verteidigen.

Oasis

Ein Level des Spiels besteht aus einem 100 Tiles großen und zufällig generierten quadratischen Spielfeld. Anfänglich sind fast alle Tiles von Nebel verhüllt und müssen durch anklicken bzw. -tippen (tatsächlich schien das Interface hier schon auf das iPad ausgerichtet zu sein, bevor dieses überhaupt existierte) aufgedeckt werden. Dabei werden nach kurzer Zeit unweigerlich bestimmte Strukturen offengelegt: Städte inklusive angrenzender Äcker, kleinere Dörfer, Gebirge, Minen, Flüsse, Jungle etc. Und tatsächlich hat jede einzelne dieser Entdeckungen dabei ihre eigene einzigartige Auswirkung auf die Spielmechanik. Die wichtigste und daher namensgebende Örtlichkeit ist jedoch stets die mehrere Tiles große Oase, die einen Obelisk beinhaltet, in dem wiederum eine magische Rune enthalten ist. Um zu siegen, müssen in einer Kampagne 12 dieser Runen gefunden werden. Dies ist allerdings leichter gesagt, als getan, denn nach genau 85 Zügen wird das Volk von Barbaren attackiert. Der Startpunkt dieses Angriffs lässt sich übrigens auch auf der Karte aufdecken.

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Es gilt also, sich auf besagten Angriff vorzubereiten. Dies erfolgt in erster Linie durch das Entdecken möglichst vieler Städte und das Verbinden derselben durch den Bau von Straßen. Mit Hilfe dieser ist es dann möglich, Truppen vor dem Barbaren-Angriff zu verschieben, um somit möglichst früh im Raubzug – der mit jeder eroberten Stadt noch furioser wird – großen Widerstand zu leisten. Für den Straßenbau braucht es allerdings Gefolgsleute, die der Spieler – je nach Art des entdeckten Tiles – mit beinahe jedem Zug dazu erhält. Allerdings können diese auch dazu eingesetzt werden, in Minen zu arbeiten, um in neue Technologien investieren zu können, die im abschließenden Kampf einen Bonus gewähren und vielleicht sogar einen Sieg in Unterzahl ermöglichen. Die Rune – so sie denn im Level entdeckt wurde – wird konsequenterweise nur gezählt, wenn mindestens eine Stadt überlebt. Sollte es einmal nicht klappen und alle Städte von den Barbaren überrannt werden, ist jedoch noch nicht alles verloren. Durch das Aufdecken von Oasen wird mit der Zeit magische Energie gesammelt, die einer gewissen Anzahl Feinden standhalten kann. Sollte diese jedoch verbraucht sein, ist die Kampagne vorzeitig vorbei.

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Das Zusammenspiel der Mechaniken im Spiel funktioniert außerordentlich gut. Es gibt stets mehr Optionen, den eigenen Stand zu verbessern, als der Spieler Züge  bzw. Ressourcen zur Verfügung hat. Diese spannungsgeladene Problematik wird dadurch nochmals verschärft, dass es durchaus verlockend ist, sämtliche Städte nach der initialen Entdeckung erneut zu durchsuchen, um Bonuspunkte, Kampfboni oder sogar spezielle Gefolgsleute mit besonderen Fähigkeiten, die auch in den folgenden Levels noch helfen können, zu ergattern. Zudem kann durch das vollständige aufdecken von fünf Oasen in einer Kampagne ein Bonuslevel erspielt werden, das fast garantiert eine zusätzliche Rune einbringt. All das kostet natürlich aber wieder wertvolle Zeit bzw. Runden. Daher gilt es, mit Bedacht abzuwägen, welche Aktionen am sinnvollsten sind – wenngleich auch sehr unterschiedliche Wege zum Ziel führen können.

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Darüber hinaus sind in Form der verschiedenen Kampagnen einige Regel-Varianten enthalten, die vor allem Auswirkungen auf die Algorithmen zur Zufallsgenerierung der Levels haben. So ist das Gelände beispielsweise je nach Spielmodus mit undurchdringlichen Bergen gespickt, von dichtem Jungle bewachsen (der den Straßenbau um eine Runde verzögert, jedoch beim Abholzen Ressourcen einbringt) oder von sehr viel größeren Wasserflächen durchzogen, welche wiederum den logistisch sinnvollen Straßenbau und das Auffinden des Obelisken erschweren. In einigen Varianten können die Barbaren zudem aus Lagern mitten im Level statt nur vom Rand der Karte aus attackieren oder es muss unbedingt eine spezifische Hauptstadt gehalten werden. All diese Varianten bieten abwechslungsreiche Alternativen zum Standard-Spiel, ohne dabei die nahezu perfekte Balance der Mechaniken zu brechen.

Oasis ist ein Vertreter einer sehr seltenen Art von Spiel: Es deutet an, wozu digitale Spiele mit innovativer und durchdachter Mechanik – in Symbiose mit einem diese perfekt unterstützenden Thema – im Stande sind. Und damit hat Mindcontrol nicht weniger erschaffen als eines der bisher besten digitalen Spiele überhaupt.

Übrigens: Sehr lesenswert ist auch das Indie Postmortem, ein Rückblick auf das Erreichte und Versäumte, von Designer Andrew Leker.

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One Response to Geheimtipp: Defense Of The Oasis

  1. Piggeldi sagt:

    Hat mein Vater früher oft gespielt und ich hab ihm dabei zugeguckt. 🙂
    Interessant, das jetzt hier zu sehen.

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