Cardinal Quest – erste Eindrücke

Vor gut einer Woche erschien Ido Yehielies (aka TameTick) actionorientiertes Roguelike Cardinal Quest. Nachdem vor zwei Tagen dann auch eine kostenfreie Demoversion nachgereicht wurde, konnte ich nicht umhin das Spiel anzutesten und mir in der Folge die Vollversion zuzulegen. Meine ersten Eindrücke vom Spiel möchte ich im Folgenden zusammenfassen.

Cardinal Quest

Zunächst einmal zum grundsätzlichen Spielablauf: Das Ziel eures Helden ist simpel. Ihr müsst euch mal wieder den Weg durch mehrere zufallsgenerierte Dungeonebenen kämpfen, um am Ende schließlich dem fiesen Oberboss – in diesem Fall ein Minotauros – den Garaus zu machen.
Auf eurem Weg, den ihr altbekannt und einfach per WASD und/oder Maussteuerung vorgebt, werdet ihr vor allem mit einem konfrontiert: Jeder Menge Action. Das Spiel fühlt sich sehr schnell an, obwohl es in Rogueliketradition natürlich prinzipiell rundenbasiert ist, d.h. die Gegner bewegen sich nur dann weiter, wenn ihr es auch tut. Die gefühlt hohe Geschwindigkeit kommt jedoch dadurch zustande, dass im Gameplay jegliche Elemente, die euch ausbremsen könnten, auf ziemlich clevere Art und Weise automatisch aufgelöst werden. So entfällt z.B. das aus anderen Genrevertretern hinlänglich bekannte Inventarsortieren fast völlig. Sammelt ihr einen Gegenstand ein, der schlechter als euer aktuell ausgerüsteter des selben Typs ist, wird ersterer automatisch in Gold umgewandelt (bislang existiert dieses nur zur Berechnung des Scores; über fahrende Händler, auf die man unterwegs trifft, wird seitens des Entwicklers nachgedacht). Findet ihr andererseits einen besseren, wird eure veraltete Ausrüstung ihrerseits zu Gold gemacht. Nur falls beide Gegenstände ihre Pros und Contras haben, wird der neuere überhaupt zwischenzeitlich ins Inventar abgelegt, sodass ihr selbst vergleichen und entscheiden könnt. Sinnvoll!
Des Weiteren wird euch auch der Stufenaufstieg abgenommen und die Stats eures Charakters verbessern sich automatisch. Neue Spezialfähigkeiten und Zauber (z.B. diverse Stärkungen eures Helden, Schwächungen der Gegner oder gute Bekannte wie den Feuerball) erhaltet ihr ebenfalls nicht beim Aufstieg, sondern findet sie wie Gegenstände verstreut über die einzelnen Ebenen. Hier kommt eine leicht taktische Komponente ins Spiel, da ihr immer nur fünf Skills gleichzeitig nutzen könnt und jeder davon sich nach Nutzung eine Weile auflädt (es lohnt sich also unter Umständen, einen Skill – wenn man ihn denn mehrfach findet – zweimal unter den aktiven zu platzieren, da sich beide dann auch getrennt voneinander wieder aufladen).

Überhaupt ist Cardinal Quest gerade im späteren Spielverlauf – die Ebenen werden natürlich immer schwerer – zunehmend taktisch geprägt. Immer wichtiger sind Fragen wie: Welchen Gegner gehe ich zuerst an und welchen versuche ich lieber erstmal zu meiden? Welche und wieviele Tränke benutze ich, um meine Stats kurzfristig zu pushen? In welcher Reihenfolge nutze ich meine Skills aus, um möglichst wenig Schaden zu nehmen und so Heiltränke für kommende Aufgaben zu sparen? Ein wenig fühlt man sich zum Teil sogar an das Rätsel-Roguelike Desktop Dungeons erinnert.
Immensen Einfluss auf die Spielweise hat natürlich auch die Wahl der Charakterklasse. Klassischerweise stehen euch drei verschiedene Helden zur Verfügung: Krieger, Dieb und Magier. Ersterer zeichnet sich erwartungsgemäß dadurch aus, dass er im Nahkampf einiges austeilen und einstecken kann. Im Gegenzug laden sich die Spezialfähigkeiten (der Krieger beginnt mit dem Berserker-Skill, der ihn schneller und stärker macht) allerdings sehr langsam auf. Beim Magier – der standardmäßig mit dem Feuerballzauber beginnt – verhält es sich genau umgekehrt, d.h. ihr könnt sehr häufig eure Fähigkeiten nutzen, was aber auch notwendig ist, denn allzu oft treffen sollten euch die Gegner nicht. Wenn sie euch aber doch einmal erreichen, sollten sie durch eure Zauber schon stark geschwächt sein. Der Dieb schließlich ist irgendwo zwischen den anderen beiden Klassen angesiedelt und bringt von Anfang an den Unsichtbarkeits-Skill mit. Auch hier ist bedachtes Vorgehen angesagt. Wer einfach losrennt, verliert schnell seine beiden Leben (wir haben hier also quasi Permadeath mit Verzögerung).
Doch damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich legt das Spiel den Fokus insgesamt ganz klar auf schnelle Dungeon-Crawling-Action. Dementsprechend nennt der Entwickler auch zuerst den Arcade-Klassiker Gauntlet als Einfluss, was durchaus zutreffend ist (wenn auch mit Abstrichen, denn das hier ist im Kern eben glücklicherweise noch immer ein rundenbasiertes Roguelike und kein Arcade-Actionspiel).

Grafik und Sound, von denen man im unten verlinkten Trailer einen ganz guten Eindruck bekommt, sind natürlich auch hier wieder Geschmackssache. Für ein Roguelike sieht das Spiel ziemlich gut aus – es gibt sogar ein paar Animationen. Hintergrundmusik und Sound sind ebenfalls von ordentlicher bis guter Qualität und dürften vor allem wieder den Oldschool-Freunden gefallen. Auch in Sachen Präsentation fällt also nichts grundlegend Negatives auf.
Sehr wohl störend sind aber an Cardinal Quest in Version 1.0 vor allem einige Bugs und noch fehlende Features. So kommt es hin und wieder zu Fehlern bei der Nutzung bestimmter Skills, kleinen Performance-Einbrüchen und – allerdings sehr selten – leider auch zu Abstürzen.
Die ersten Updates sollten allerdings nicht allzu lange auf sich warten lassen, da der Entwickler gerade in der Phase direkt nach dem Release natürlich einen konstant hohen Arbeitsaufwand in die Verbesserung des Spiels steckt. Auch ein Quicksave-Feature und diverse Interface-Verbesserungen sind bereits angekündigt und lassen auf die künftige Perfektionierung dieses kleinen Roguelike-Rohdiamanten hoffen, der jedoch auch in der vorliegenden Form bereits den äußerst geringen Preis von gerade einmal knapp 4€ wert ist und eine Menge Spaß für Zwischendurch, aber auch genug Motivation und Abwechslung für deutlich längere Sitzungen bietet.

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