Ben Brode: Müll ist gut für Hearthstone!

Brode

Ben Brode: Dem Wahnsinn nahe?

Der wohl erfolgreichste aller Hearthstone-Streamer, Octavian „Kripparrian“ Morosan, unterbreitete den Designern bei Blizzard kürzlich per YouTube-Video einen Vorschlag. Karten, die derart schlecht sind, dass sie praktisch niemals in irgendeinem vernünftig zusammengestellten Deck vorkommen würden, sollten – so Morosans Idee – verstärkt werden. Auf den ersten Blick kein schlechter Einfall. Unter Game-Designern nennt man das schlicht Balancing. Bei Blizzard gehört es sich scheinbar jedoch nicht, denn Hearthstones Senior Game Designer Ben Brode antwortete kurze Zeit später ebenfalls per Videobotschaft und präsentierte seine Gegenargumente, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll.

1. „Änderungen an alten Karten verlangsamen uns beim Release neuer Karten. Vielleicht gibt es ein cooles neues Design für eine ältere Karte. Das ist toll, aber wir können dieses neue Design auch einfach nehmen und eine neue Karte in einer neuen Expansion daraus machen!“

Damit wäre schonmal etabliert: Geld steht an erster Stelle. Wen interessiert da noch ein solides Balancing oder gar ein möglichst kleiner (aber zugleich vielseitiger) Kartenpool? Die Einstiegsbarriere wurde scheinbar auch schon von genug zahlungskräftigen Spielern genommen, sodass sich Blizzard keine Sorgen mehr darum machen muss, Neueinsteiger in 1-2 Jahren mit der Aussicht auf tausende fehlende Karten in deren neu angelegter Sammlung gleich wieder zu verjagen.

2. „Wenn Spieler nach längerer Zeit wieder ins Spiel kommen und sich Regeln verändert haben, sind sie verwirrt.“

Aus Design-Sicht ist Blizzards größter Vorteil gegenüber beispielsweise Magic: The Gathering, dass sie es tatsächlich können. Sie können Karten nachhaltig – für alle Spieler zugleich – verändern. Und sie haben es in der Vergangenheit getan. Diverse dominante Karten wie der „Starving Buzzard“ oder „Leeroy Jenkins“ wurden abgeschwächt, weil sie in jedem einzelnen Deck bestimmter Klassen vorkamen. Dass Karten in keinem einzigen Deck vorkommen, ist aber scheinbar kein Problem. Es scheint zu reichen, dass sie als Streckungsmittel die Anzahl der Kartenpakete erhöhen, die der Spieler kaufen muss, um an die wirklich nützlichen Karten zu gelangen. Bei Riots League of Legends werden seitenlange Patchnotes abgefeiert, wenn sie zur Verbesserung des Spiels beitragen. Bei Blizzard fürchtet man bloß wieder die Überforderung der Spieler – wie schon bei dem Wunsch nach mehr als neun Deckslots.

3. „Es ist eine coole Phase des Release-Zyklus nach einer Expansion, wenn die neuen Deck-Archetypen klar sind und nur noch im Kleinen optimiert wird.“

Mit anderen Worten: Schön, dass unser Spiel so flach ist, dass es innerhalb weniger Wochen nach dem Release dutzender neuer Karten weitgehend gelöst ist. Dieses „Argument“ zieht übrigens nicht nur gegen die Veränderung alter Karten, sondern auch gegen jeglichen neuen Release.

4. „Es ist unmöglich, keine schlechten Karten zu haben.“

Abgesehen davon, dass das nie jemand behauptet hat, geht es beim, übrigens in der Tat praktisch unmöglichen, Sammelkarten-Balancing lediglich darum, dass alle Karten „ihren Platz“ im System haben. Natürlich wird es Karten geben, die im Allgemeinen nützlicher sind als andere und die in mehr verschiedenartigen Decks funktionieren. Aber jede Karte sollte zumindest in irgendeinem sehr spezifisch ausgerichteten Deck irgendeine Funktion erfüllen. Karten, die absolut nutzlos sind, braucht kein Mensch.

5. „Einige Karten scheinen nur schlecht, obwohl sie es gar nicht sind.“

Wenn dem so ist, finden das die Profis auch raus und geben ihr wissen an die Community weiter. Aber davon ab: Es gibt auch den „Magma Rager“…

6. „Schlechte Karten sind wichtig, um neuen Spielern beizubringen, was gut ist.“

Hier gibt Brode indirekt zu, dass Strategie in Hearthstone eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Stattdessen scheint der „Skill“ vielmehr darin zu liegen, den brauchbaren vom nutzlosen Content zu trennen und dann stets nur ersteren zu verwenden. Und das ist nun wirklich ein wahnsinnig uninteressantes „Rätsel“, das spätestens zu diesem Zeitpunkt ohnehin gelöst worden ist und jedem Neuspieler spätestens ab Rang 18 auch gleich um die Ohren fliegt. Vielleicht will Herr Brode aber auch nur diesen Eindruck erwecken, um die Spieler zurück in den Karten-Shop zu treiben?

7. „Ich mag Müll-Karten. Über sie zu reden, macht Spaß.“

Da haben wir es. Blizzard ist gar keine ernsthafte Spielefirma, sondern eine Comedy-Truppe, die es möglich macht, sich nicht nur über Müll-Karten das Maul zu zerreißen, sondern auch gleich über das Game-Design-Verständnis des Teams. Danke dafür!

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