Watch_Dogs: RPS schreibt Klartext

May 27, 2014

Heute erscheint mit Watch_Dogs das wohl mei├čterwartete AAA-Game des Jahres. Der Hypeaufbau bis zum heutigen Tag war unermesslich. St├╝ndlich wurden neue Informationen und Videoschnipsel “geleakt”. Selbstverst├Ąndlich dominiert der Titel bereits seit L├Ąngerem die (Vor-)Verkaufscharts bei Steam. Nun darf die Presse also rezensieren.

Graham Smith von Rock, Paper, Shotgun findet dabei erstaunlich klare und ehrliche Worte. Schon der erste Absatz seines Reviews ist ein wahres Feuerwerk der kritischen Analogien, mit denen er nicht nur Ubisofts neuste “Offenbarung” abwatscht, sondern 90 % aller sogenannten “Sandbox-Spiele” gleich mit:

Eines Tages wirst du dir eine gro├če Packung mit mehreren kleinen T├╝ten unterschiedlicher Sorten Kartoffelchips kaufen. Vielleicht, weil du auf eine Party gehst, vielleicht weil du Geld sparen musst. Die enthaltenen Geschmacksrichtungen werden dich nicht sonderlich ansprechen, jeder Bissen wird sich ein wenig zu weich und nicht wirklich frisch anf├╝hlen und die einzelnen T├╝tchen werden zu 90 % aus Luft bestehen, aber immerhin wirst du Trost darin finden, eine gro├če Auswahl zu haben.

Willkommen bei Watch_Dogs, dem neusten Videospiel von Ubisoft.

Gro├čartig, nicht wahr? Nach einigen Abs├Ątzen der Spielbeschreibung kommt das Fazit aber mindestens genauso gut:

Die Stadt ist wundersch├Ân. Ich genie├če, Zeit in der offenen Welt zu verbringen. Die Architektur, die Details, die Musik im Radio, die nachgebauten Stra├čen, die Windeffekte, der Verkehr, die Fu├čg├Ąnger… all diese Kunst. Ist das nicht die magische 90-%-Wertung? Ist Watch-Unterstrich-Dogs zu teuer, um es zu hassen?

Dann erinnerte ich mich. Diese Dinge machen kein Spiel aus. Das Spiel besteht aus einer hakeligen Steuerung, die mich regelm├Ą├čig desastr├Âse Dinge tun l├Ąsst, die ich gar nicht tun wollte; aus inkonsistentem interaktiven Welt-Design; aus einem Deckungssystem, das mich an Dekorationen h├Ąngen bleiben l├Ąsst oder falsch r├Ąt, wohin ich mich bewegen will. Das Spiel besteht aus “insta-fail”-Schleichmissionen, Wellenverteidigungs-Missionen, Begleitschutzmissionen, Missionen, in denen die Dialoge und die Ziele nicht zueinander passen. Das Spiel st├╝rzte f├╝nfmal ab, zweimal davon musste ich sogar neu booten, bevor es wieder lief. Das Spiel ist restriktiv und nutzt die M├Âglichkeiten der offenen Stadt und der Hacking-Mechanik nicht aus. Checkpoints zwingen mich dazu, mir Zwischensequenzen mehrfach anzusehen oder Routine-Sequenzen nach jedem Tod zu wiederholen.

Schei├č-Unterstrich-drauf!

In diesem Sinne: Vielen Dank, Herr Smith, f├╝r einen weiteren Schritt in die richtige Richtung. Es wird Zeit, dass die breite(!) ├ľffentlichkeit versteht, was Spiele ausmacht. Wie die Rezension korrekt feststellt, ist das definitiv nicht audiovisuelles Spektakel, sondern bedeutsame, tiefe und fl├╝ssige Interaktion. Soviel zu “Next Gen”.