Warum wir Innovation brauchen

May 19, 2014

Neues f├╝hlt sich gut an. Das wird gerne von den Erschaffern “neuer” Kunst ausgenutzt. Vielleicht reicht es ja auch, wenn das Werk einfach nur rein chronologisch betrachtet “neu” – also aktuell – ist. Macht ja nichts, wenn ich immer wieder die gleiche Musik, die gleiche Handlung oder die gleiche Spielmechanik in neuer Verpackung ver├Âffentliche. Solange die Leute es kaufen und von Marketing und Hype benebelt von einem “neuen” Werk zum n├Ąchsten springen, ist doch alles super. Finanziell jedenfalls. Doch was ist mit den Konsumenten? Klar f├╝hlt es sich prinzipiell gut an, mit dem Neuartigkeitsstrom zu schwimmen. Das Gehirn sch├╝ttet Belohnungen aus. Wie steht es aber um die tats├Ąchliche tiefgreifende Wertigkeit eines solchen Werkes, das nur aufgrund seiner rein chronologischen Neuheit spannend ist?

Wirklich neuartige Geschichten fesseln uns, wenn sie uns einen unausweichlichen und doch ├╝berraschenden H├Âhepunkt pr├Ąsentieren:

A screenplay is great when an empathic link is forged between audience and character through a seamless, delicately woven web of plot threads.┬á Eventually, a profound value is revealed after a surprising, yet inevitable climax.┬á Such a screenplay can change someoneÔÇÖs┬á life, or at the very least, lead to weeks of contemplation.

Wirklich neuartige Musik ver├Ąndert kontinuierlich das statistische Modell des Wohlklangs, das unser Gehirn aufgestellt hat, auf bedeutsame Art und Weise:

Before a pattern can be desired by the brain, it must play hard to get. Music only excites us when it makes our auditory cortex struggle to uncover its order. If the music is too obvious, if its patterns are always present, it is annoyingly boring.

Wirklich neuartige Repr├Ąsentationen von Informationen helfen uns dabei, die Realit├Ąt zu durchschauen, strukturieren und beherrschen:

The only way to have successful actions and pursuits is to have the necessary knowledge and thinking skills to complete such feats. You can’t just learn a static amount or depend on what other people say; you’ve got to be mentally active your entire life to be able to deal with a changing world. People who don’t will find themselves unhappy and impotent.

Wirklich neuartige Spiele erf├╝llen das Bed├╝rfnis nach Fortschritt und stellen uns vor ungekannte Herausforderungen:

They need interesting gameplay that forces them to think creatively against new kinds of challenges.

Wirklich neuartige visuelle Kunst erweitert unser Verst├Ąndnis von Sch├Ânheit, Ordnung, Komposition und Vorstellungskraft:

I was taught that a thought-provoking piece with the formal conditions of beauty, composition, rhythm, color manipulation all contributed to a good work of all, but mostly it is the ÔÇśleap in the imaginationÔÇÖ that stirs my soul.


Kunstkritik

April 14, 2014

Objektivit├Ąt

  • Um Kunst objektiv beurteilen zu k├Ânnen, m├╝ssen zuvor Kriterien definiert werden.
  • Diese Kriterien m├╝ssen generell genug sein, um der Kritik Gehalt zu verleihen. Sie d├╝rfen nicht so restriktiv sein, dass ein Werk effektiv an sich selbst gemessen werden m├╝sste. (“Breaking Bad ist gut darin, Breaking Bad zu sein!”)
  • Die Frage, ob einer Person ein Werk gef├Ąllt, ist dabei vollkommen irrelevant. Mit anderen Worten: Eine Person kann ein Werk anhand der definierten Kriterien als “schlecht” beurteilen, aber trotzdem sehr m├Âgen.

Bewertung nach Intention

  • Es scheint grunds├Ątzlich sinnvoll, Werke an der Intention des Schaffenden zu messen.
  • Ausgangsfrage: Wie gut ist das Werk darin, das Ziel des K├╝nstlers zu erf├╝llen?
  • Erstes Problem: Es ist m├Âglich, dass das Werk die Intention des K├╝nstlers verfehlt, dabei aber bez├╝glich g├Ąnzlich anders gelagerter Kriterien hervorragend abschneidet.
  • Zweites Problem: Die Intention des K├╝nstlers ist in den meisten F├Ąllen gar nicht bekannt und k├Ânnte ohnehin nur von ihm selbst bekannt gegeben werden.

Bewertung nach Charakteristik

  • Da die Bewertung nach Intention inh├Ąrente Probleme mit sich bringt, ist ein sinnvoller Ersatz daf├╝r, eine Menge von Kriterien anzulegen, die den Grundeigenschaften des Werks am ehesten entspricht. (So sollte Schach als Entscheidungswettbewerb beziehungsweise anhand der daraus folgenden Kriterien bewertet werden und beispielweise nicht als Spielzeug.)
  • Das entsprechende Vorgehen:
    1. W├Ąhle Kriterien, die dem Werk gerecht werden.
    2. Bewerte das Werk anhand dieser Kriterien.

Wertigkeit der Kriterien

  • Es ist kontrovers, inwiefern eine aus der Charakteristik eines Werks abgeleitete Menge von Kriterien beziehungsweise eine K├╝nstlerintention an sich bereits eine allgemeine Vorabbeurteilung im Sinne ihres “Wertes f├╝r den Menschen” erfordert.
  • Denkansto├č (Film): Ist das Ziel, ein bombastisches Effektfeuerwerk ohne R├╝cksicht auf logische Konsistenz zu zeigen, ein “weniger wertiges” als das, eine Handlung mit Tiefgang und vielschichtigen Charakteren zu erz├Ąhlen, die zum Nachdenken anregt und dem Publikum f├╝r das Leben bedeutsame Sachverhalte vermittelt?
  • Denkansto├č (Musik): Ist das Ziel, einen sich minutenlang wiederholenden extrem simplen Beat zu erzeugen, ein “weniger wertiges” als das, einen Song inklusive Harmoniefolgen, Melodien und Arrangement aus dem Boden zu stampfen?
  • Denkansto├č (Spiel): Ist das Ziel, eine perpetuierende Suchtmaschine zu erschaffen, ein “weniger wertiges” als das, ein Jahrzehnte ├╝berdauerndes System, das zum Lernen und kreativen Entwickeln von Strategien anregt, zu kreieren?