Abraum

May 29, 2014

Artikel: “Watch Dogs: Erfolgreichster Launch in der Ubisoft-Geschichte”

Ein Kommentar: “Die BILD ist die erfolgreichste Tageszeitung Europas.”

Sehr richtig. Audiovisuelles Spektakel beh√§lt – trotz fragw√ľrdiger Qualit√§t – die Oberhand in Sachen Popularit√§t. Es wird ganz unmittelbar der Befriedigungsschalter im Gehirn bet√§tigt. Diese oberfl√§chliche Ebene der direkt wahrnehmbaren Genugtuung reicht in dieser Gesellschaft vielen schon aus. Wirklich gutes und tiefes Gameplay beziehungsweise ein Verst√§ndnis desselben m√ľsste sich hingegen erst erarbeitet werden.

Mit Film, Musik und jeder anderen Kunstform ist es nicht anders: Wer seinem Leben in irgendeiner Form an Wert hinzuf√ľgen m√∂chte, der muss eben “tiefer graben”. Von nichts kommt nichts.

In diesem Sinne:

Wir graben unter Tage,
denn wir haben mit der Welt dort oben nichts gemein.
Im Schacht unter Tage,
denn wir suchen nach der Wahrheit in Lehm und Stein.
 
Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt!
Und leider ist nicht alles tief, was schwarz ist ‚Äď Nein!
 
[…]
 
Und so manches Schwarz gibt vor, tief zu sein.
Doch setzen wir den Bohrer an, treffen wir auf schnöden Stein!
 
[…]
 
Immer weiter, immer tiefer ‚Äď Abraum!
 

(aus: “Untertage”¬† von Stillste Stund)


Vom Wert der Kunst f√ľr den Menschen

May 21, 2014

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Warum wir Innovation brauchen

May 19, 2014

Neues f√ľhlt sich gut an. Das wird gerne von den Erschaffern “neuer” Kunst ausgenutzt. Vielleicht reicht es ja auch, wenn das Werk einfach nur rein chronologisch betrachtet “neu” – also aktuell – ist. Macht ja nichts, wenn ich immer wieder die gleiche Musik, die gleiche Handlung oder die gleiche Spielmechanik in neuer Verpackung ver√∂ffentliche. Solange die Leute es kaufen und von Marketing und Hype benebelt von einem “neuen” Werk zum n√§chsten springen, ist doch alles super. Finanziell jedenfalls. Doch was ist mit den Konsumenten? Klar f√ľhlt es sich prinzipiell gut an, mit dem Neuartigkeitsstrom zu schwimmen. Das Gehirn sch√ľttet Belohnungen aus. Wie steht es aber um die tats√§chliche tiefgreifende Wertigkeit eines solchen Werkes, das nur aufgrund seiner rein chronologischen Neuheit spannend ist?

Wirklich neuartige Geschichten fesseln uns, wenn sie uns einen unausweichlichen und doch √ľberraschenden H√∂hepunkt pr√§sentieren:

A screenplay is great when an empathic link is forged between audience and character through a seamless, delicately woven web of plot threads.  Eventually, a profound value is revealed after a surprising, yet inevitable climax.  Such a screenplay can change someone’s  life, or at the very least, lead to weeks of contemplation.

Wirklich neuartige Musik verändert kontinuierlich das statistische Modell des Wohlklangs, das unser Gehirn aufgestellt hat, auf bedeutsame Art und Weise:

Before a pattern can be desired by the brain, it must play hard to get. Music only excites us when it makes our auditory cortex struggle to uncover its order. If the music is too obvious, if its patterns are always present, it is annoyingly boring.

Wirklich neuartige Repräsentationen von Informationen helfen uns dabei, die Realität zu durchschauen, strukturieren und beherrschen:

The only way to have successful actions and pursuits is to have the necessary knowledge and thinking skills to complete such feats. You can’t just learn a static amount or depend on what other people say; you’ve got to be mentally active your entire life to be able to deal with a changing world. People who don’t will find themselves unhappy and impotent.

Wirklich neuartige Spiele erf√ľllen das Bed√ľrfnis nach Fortschritt und stellen uns vor ungekannte Herausforderungen:

They need interesting gameplay that forces them to think creatively against new kinds of challenges.

Wirklich neuartige visuelle Kunst erweitert unser Verständnis von Schönheit, Ordnung, Komposition und Vorstellungskraft:

I was taught that a thought-provoking piece with the formal conditions of beauty, composition, rhythm, color manipulation all contributed to a good work of all, but mostly it is the ‚Äėleap in the imagination‚Äô that stirs my soul.


Ist das Kunst?

May 19, 2014

Beethovens Sinfonien sind Kunst.

Gilt das auch f√ľr den Gangnam Style?

Oder ist das dann doch “blo√ü Unterhaltung”?

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Kunstkritik

April 14, 2014

Objektivität

  • Um Kunst objektiv beurteilen zu k√∂nnen, m√ľssen zuvor Kriterien definiert werden.
  • Diese Kriterien m√ľssen generell genug sein, um der Kritik Gehalt zu verleihen. Sie d√ľrfen nicht so restriktiv sein, dass ein Werk effektiv an sich selbst gemessen werden m√ľsste. (“Breaking Bad ist gut darin, Breaking Bad zu sein!”)
  • Die Frage, ob einer Person ein Werk gef√§llt, ist dabei vollkommen irrelevant. Mit anderen Worten: Eine Person kann ein Werk anhand der definierten Kriterien als “schlecht” beurteilen, aber trotzdem sehr m√∂gen.

Bewertung nach Intention

  • Es scheint grunds√§tzlich sinnvoll, Werke an der Intention des Schaffenden zu messen.
  • Ausgangsfrage: Wie gut ist das Werk darin, das Ziel des K√ľnstlers zu erf√ľllen?
  • Erstes Problem: Es ist m√∂glich, dass das Werk die Intention des K√ľnstlers verfehlt, dabei aber bez√ľglich g√§nzlich anders gelagerter Kriterien hervorragend abschneidet.
  • Zweites Problem: Die Intention des K√ľnstlers ist in den meisten F√§llen gar nicht bekannt und k√∂nnte ohnehin nur von ihm selbst bekannt gegeben werden.

Bewertung nach Charakteristik

  • Da die Bewertung nach Intention inh√§rente Probleme mit sich bringt, ist ein sinnvoller Ersatz daf√ľr, eine Menge von Kriterien anzulegen, die den Grundeigenschaften des Werks am ehesten entspricht. (So sollte Schach als Entscheidungswettbewerb beziehungsweise anhand der daraus folgenden Kriterien bewertet werden und beispielweise nicht als Spielzeug.)
  • Das entsprechende Vorgehen:
    1. Wähle Kriterien, die dem Werk gerecht werden.
    2. Bewerte das Werk anhand dieser Kriterien.

Wertigkeit der Kriterien

  • Es ist kontrovers, inwiefern eine aus der Charakteristik eines Werks abgeleitete Menge von Kriterien beziehungsweise eine K√ľnstlerintention an sich bereits eine allgemeine Vorabbeurteilung im Sinne ihres “Wertes f√ľr den Menschen” erfordert.
  • Denkansto√ü (Film): Ist das Ziel, ein bombastisches Effektfeuerwerk ohne R√ľcksicht auf logische Konsistenz zu zeigen, ein “weniger wertiges” als das, eine Handlung mit Tiefgang und vielschichtigen Charakteren zu erz√§hlen, die zum Nachdenken anregt und dem Publikum f√ľr das Leben bedeutsame Sachverhalte vermittelt?
  • Denkansto√ü (Musik): Ist das Ziel, einen sich minutenlang wiederholenden extrem simplen Beat zu erzeugen, ein “weniger wertiges” als das, einen Song inklusive Harmoniefolgen, Melodien und Arrangement aus dem Boden zu stampfen?
  • Denkansto√ü (Spiel): Ist das Ziel, eine perpetuierende Suchtmaschine zu erschaffen, ein “weniger wertiges” als das, ein Jahrzehnte √ľberdauerndes System, das zum Lernen und kreativen Entwickeln von Strategien anregt, zu kreieren?

Nikolaustirade

December 6, 2013

Dies ist eine Nachricht an alle intelligenten Wesen im Publikum.

Romane erzählen in erster Linie Geschichten. Die Schönheit der Sprache ist von Bedeutung, jedoch in aller Regel dem primären Zweck untergeordnet. Plot und Erzählung stehen im Vordergrund.

Filme erzählen in erster Linie Geschichten. Blockbuster kommen dennoch viel zu oft mit einer stupiden Handlung davon, indem sie die Gehirnkapazitäten des Publikums mit audiovisuellem Spektakel zuspammen. Lasst das nicht mehr mit euch machen! Danke.

Transporter3

Transporter 3. In Worten: Drei. Soviel zu: “Aus Fehlern lernt man”.

Brettspiele sind Regelsysteme. Die Schönheit der Komponenten ist von Bedeutung, jedoch in der Regel der Spielmechanik untergeordnet.

Videospiele sind Regelsysteme. AAA-Produktionen kommen dennoch viel zu oft mit einer stupiden Spielmechanik davon, indem sie die Gehirne der Spieler mit audiovisuellem Spektakel vollspammen oder durch Induzierung suchtartigen Verhaltens gleich komplett abschalten. Lasst das nicht mehr mit euch machen! Danke.

Dies ist eine Nachricht an alle intelligenten Wesen unter den K√ľnstlern.

Erschafft einen gro√üartigen Kern – eine gro√üartige Geschichte oder ein gro√üartiges Regelsystem – und baut den Rest eures Werks unterst√ľtzend um diesen herum auf. Oder tut etwas v√∂llig anderes. Aber t√§uscht dann auch nicht vor, dass es bei euch um Story oder Interaktion ginge. H√∂rt einfach auf, die Welt schlechter zu machen!

BioshockInfinite

Noch so ein dritter Teil. Mindestens. Und es wird immer schlimmer.

Danke.


Zitat des Tages (Warren Spector)

October 18, 2013

Weil durchdenkenswerte Wahrheiten nie oft genug wiederholt werden können und da es diese Rubrik hier schon länger nicht mehr gab:

Gaming will progress at a rate that’s tied to our awareness and exploitation of what makes games different from other media.

 (Warren Spector)