The Walking Dead: Ein Spiel, das keines sein sollte

July 27, 2014

Clem

Vorab: The Walking Dead (TWD) von Telltale Games erzählt eine spannende und emotional mitreißende Handlung voller gut geschriebener Dialoge und vielschichtiger Charaktere. Es ist hochinteressant und macht großen Spaß, diese zu erleben.

Im Folgenden soll exemplarisch anhand der kürzlich erschienenen vierten Episode der zweiten Staffel gezeigt werden, dass TWD ganz ohne Gameplay noch viel besser wäre.

Vorsicht, Spoiler!

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Watch_Dogs: RPS schreibt Klartext

May 27, 2014

Heute erscheint mit Watch_Dogs das wohl meißterwartete AAA-Game des Jahres. Der Hypeaufbau bis zum heutigen Tag war unermesslich. Stündlich wurden neue Informationen und Videoschnipsel “geleakt”. Selbstverständlich dominiert der Titel bereits seit Längerem die (Vor-)Verkaufscharts bei Steam. Nun darf die Presse also rezensieren.

Graham Smith von Rock, Paper, Shotgun findet dabei erstaunlich klare und ehrliche Worte. Schon der erste Absatz seines Reviews ist ein wahres Feuerwerk der kritischen Analogien, mit denen er nicht nur Ubisofts neuste “Offenbarung” abwatscht, sondern 90 % aller sogenannten “Sandbox-Spiele” gleich mit:

Eines Tages wirst du dir eine große Packung mit mehreren kleinen Tüten unterschiedlicher Sorten Kartoffelchips kaufen. Vielleicht, weil du auf eine Party gehst, vielleicht weil du Geld sparen musst. Die enthaltenen Geschmacksrichtungen werden dich nicht sonderlich ansprechen, jeder Bissen wird sich ein wenig zu weich und nicht wirklich frisch anfühlen und die einzelnen Tütchen werden zu 90 % aus Luft bestehen, aber immerhin wirst du Trost darin finden, eine große Auswahl zu haben.

Willkommen bei Watch_Dogs, dem neusten Videospiel von Ubisoft.

Großartig, nicht wahr? Nach einigen Absätzen der Spielbeschreibung kommt das Fazit aber mindestens genauso gut:

Die Stadt ist wunderschön. Ich genieße, Zeit in der offenen Welt zu verbringen. Die Architektur, die Details, die Musik im Radio, die nachgebauten Straßen, die Windeffekte, der Verkehr, die Fußgänger… all diese Kunst. Ist das nicht die magische 90-%-Wertung? Ist Watch-Unterstrich-Dogs zu teuer, um es zu hassen?

Dann erinnerte ich mich. Diese Dinge machen kein Spiel aus. Das Spiel besteht aus einer hakeligen Steuerung, die mich regelmäßig desaströse Dinge tun lässt, die ich gar nicht tun wollte; aus inkonsistentem interaktiven Welt-Design; aus einem Deckungssystem, das mich an Dekorationen hängen bleiben lässt oder falsch rät, wohin ich mich bewegen will. Das Spiel besteht aus “insta-fail”-Schleichmissionen, Wellenverteidigungs-Missionen, Begleitschutzmissionen, Missionen, in denen die Dialoge und die Ziele nicht zueinander passen. Das Spiel stürzte fünfmal ab, zweimal davon musste ich sogar neu booten, bevor es wieder lief. Das Spiel ist restriktiv und nutzt die Möglichkeiten der offenen Stadt und der Hacking-Mechanik nicht aus. Checkpoints zwingen mich dazu, mir Zwischensequenzen mehrfach anzusehen oder Routine-Sequenzen nach jedem Tod zu wiederholen.

Scheiß-Unterstrich-drauf!

In diesem Sinne: Vielen Dank, Herr Smith, für einen weiteren Schritt in die richtige Richtung. Es wird Zeit, dass die breite(!) Öffentlichkeit versteht, was Spiele ausmacht. Wie die Rezension korrekt feststellt, ist das definitiv nicht audiovisuelles Spektakel, sondern bedeutsame, tiefe und flüssige Interaktion. Soviel zu “Next Gen”.


Kunstkritik

April 14, 2014

Objektivität

  • Um Kunst objektiv beurteilen zu können, müssen zuvor Kriterien definiert werden.
  • Diese Kriterien müssen generell genug sein, um der Kritik Gehalt zu verleihen. Sie dürfen nicht so restriktiv sein, dass ein Werk effektiv an sich selbst gemessen werden müsste. (“Breaking Bad ist gut darin, Breaking Bad zu sein!”)
  • Die Frage, ob einer Person ein Werk gefällt, ist dabei vollkommen irrelevant. Mit anderen Worten: Eine Person kann ein Werk anhand der definierten Kriterien als “schlecht” beurteilen, aber trotzdem sehr mögen.

Bewertung nach Intention

  • Es scheint grundsätzlich sinnvoll, Werke an der Intention des Schaffenden zu messen.
  • Ausgangsfrage: Wie gut ist das Werk darin, das Ziel des Künstlers zu erfüllen?
  • Erstes Problem: Es ist möglich, dass das Werk die Intention des Künstlers verfehlt, dabei aber bezüglich gänzlich anders gelagerter Kriterien hervorragend abschneidet.
  • Zweites Problem: Die Intention des Künstlers ist in den meisten Fällen gar nicht bekannt und könnte ohnehin nur von ihm selbst bekannt gegeben werden.

Bewertung nach Charakteristik

  • Da die Bewertung nach Intention inhärente Probleme mit sich bringt, ist ein sinnvoller Ersatz dafür, eine Menge von Kriterien anzulegen, die den Grundeigenschaften des Werks am ehesten entspricht. (So sollte Schach als Entscheidungswettbewerb beziehungsweise anhand der daraus folgenden Kriterien bewertet werden und beispielweise nicht als Spielzeug.)
  • Das entsprechende Vorgehen:
    1. Wähle Kriterien, die dem Werk gerecht werden.
    2. Bewerte das Werk anhand dieser Kriterien.

Wertigkeit der Kriterien

  • Es ist kontrovers, inwiefern eine aus der Charakteristik eines Werks abgeleitete Menge von Kriterien beziehungsweise eine Künstlerintention an sich bereits eine allgemeine Vorabbeurteilung im Sinne ihres “Wertes für den Menschen” erfordert.
  • Denkanstoß (Film): Ist das Ziel, ein bombastisches Effektfeuerwerk ohne Rücksicht auf logische Konsistenz zu zeigen, ein “weniger wertiges” als das, eine Handlung mit Tiefgang und vielschichtigen Charakteren zu erzählen, die zum Nachdenken anregt und dem Publikum für das Leben bedeutsame Sachverhalte vermittelt?
  • Denkanstoß (Musik): Ist das Ziel, einen sich minutenlang wiederholenden extrem simplen Beat zu erzeugen, ein “weniger wertiges” als das, einen Song inklusive Harmoniefolgen, Melodien und Arrangement aus dem Boden zu stampfen?
  • Denkanstoß (Spiel): Ist das Ziel, eine perpetuierende Suchtmaschine zu erschaffen, ein “weniger wertiges” als das, ein Jahrzehnte überdauerndes System, das zum Lernen und kreativen Entwickeln von Strategien anregt, zu kreieren?

Gedanken zu Hearthstone

December 17, 2013

HearthstoneLogo

Aufgrund der Tatsache, dass es nach wie vor kein richtig gutes (nicht asynchrones) Online-Spiel gibt, habe ich den Sprung ins säurehaltige Wasser gewagt und einige Tage mit der Hearthstone-Beta verbracht. Meines Erachtens ist es Blizzards bisher bestes Spiel.

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Brett- und Kartenspiele auf dem iPad #2

November 7, 2012

Wertungsskala: 1 (sehr schlecht) bis 10 (hervorragend)
Wertungssyntax: Gesamtwertung (Spielwertung/Appwertung)

Seit Teil 1 sind einige Neuerscheinungen auf der primären digitalen Brett- und Kartenspiel-Plattform hinzugekommen. Daneben habe ich einige bisher ausgelassene “App-Klassiker” nachgeholt.

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Diablo 3: Gespaltene Reaktionen? Nicht wirklich…

May 19, 2012

Schaut man sich die Metacritic-Seite des Spiels an, könnte man auf die Idee kommen, dass Diablo 3 das umstrittenste Spiel aller Zeiten ist – allerdings nur in Sachen User-Reviews. Hier stehen aktuell 877 positive Meinungen 1380 negativen gegenüber. Letztere bestehen allerdings gefühlt zu mindestens zwei Dritteln aus Anti-DRM-Parolen. Bekanntermaßen kommt der “Always-Online”-Zwang, den Blizzard allen Spielern des Hack-and-Slay-Blockbusters auferlegt, nicht sonderlich gut an. Nahezu alle, die das Spiel aber tatsächlich gespielt haben, kommen nicht umhin, ihm einige Qualität zuzugestehen. Die “professionellen” Kritiker hingegen sind sich scheinbar einig: 100% positve Reviews. Im Folgenden einige Meinungen und mein Senf dazu.

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Diablo 3: Eindrücke vom offenen Beta-Wochenende

April 23, 2012

In den letzten Tagen war die Betaversion von Diablo 3 – je nach Serverauslastung (Stichwort: Stresstest) mal mehr und mal weniger – frei zugänglich für Jedermann mit Battle.net-Account. Das ist sie übrigens auch noch bis heute Abend. Hier einige Eindrücke von den auffälligsten Änderungen gegenüber dem Vorgänger und dem allgemeinen Spielgefühl.

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Indie Investigation: VVVVVV

August 13, 2011

VVVVVV
Entwickler: distractionware
Release: 11.01.2010
Preis: 4,99€ (Steam)
Genre: Jump’n’Run
Aktuelle Version: 2.0

Als Käufer des dritten Humble Indie Bundles konnte auch ich einen Blick auf das ungewöhnliche Space-Jump’n’Run VVVVVV, in dem man nicht springen, sondern lediglich die Gravitation umkehren kann, werfen. Dieser Blick resultierte im Durchspielen des Storymodus. Ob dies nun jedoch ein Beweis dafür ist, dass das Spiel wirklich so fesselnd ist, dass man nicht mehr aufhören kann?

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Indie Investigation: Dungeons of Dredmor

August 7, 2011

Dungeons of Dredmor
Entwickler: Gaslamp Games
Release: 13.07.2011
Preis: 4,49€ (Steam)
Genre: Roguelike-RPG
Aktuelle Version: 1.0.3

Mitte Juli erschien also endlich das von mir lange erwartete und bereits in diversen Roguelike Reports verfolgte Debütspiel der Kanadier von Gaslamp Games. Das Spiel schoss sofort auf Rang 1 der Steam-Verkaufscharts und konnte sich seither immer wieder in den vorderen Rängen platzieren. Zu Beginn durch die zig Supportanfragen etwas überfordert, ist nach den nötigsten Patches mittlerweile wieder etwas Ruhe beim Entwickler eingekehrt und es kann sich auf zukünftige Updates und inhaltliche Erweiterungen konzentriert werden.
Ob der Erfolg des Roguelike-RPGs gerechtfertig ist, versuche ich im Folgenden herauszufinden.

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Neue Reihe: Indie Investigation

August 7, 2011

In (absolut) unregelmäßigen Abständen werde ich ab heute in einer von mir so getauften “Indie Investigation” ein Spiel eines Independententwicklers genauer unter die Lupe nehmen. Die Teilwertungen sind dabei nach meiner natürlich völlig subjektiven Einschätzung gewichtet (Vorsicht: Grafik und Sound sind hier eher zweitrangig), sortiert nach ihrer Augenscheinlichkeit (zuerst bekommt man von einem Spiel Grafik und Sound mit, wenn man selbst Hand anlegt natürlich die Steuerung, bald darauf auch das Balancing und um Atmosphäre und Umfang richtig einschätzen zu können, muss man schon ein wenig Zeit mit dem Game verbringen) und teilen sich wie folgt auf:

– Grafik (10 Punkte): Hier zählt nicht nur technische Brillanz, sondern auch, wie stimmig das Spiel visuell herüberkommt (Monkey Island 1 würde hier z.B. nach wie vor eine relativ hohe Wertung bekommen 😉 ).
– Sound (10 Punkte): Klar, hier spielt zum einen natürlich die Hintergrundmusik eine Rolle, aber auch die Qualität der Soundeffekte.
– Steuerung (15 Punkte): Das ist für mich ein ziemlich wichtiger Punkt. Lässt sich das Spiel flüssig von der Hand spielen? Muss ich tausende Hotkeys auswendig lernen oder ist die Steuerung kontextsensitiv und intelligent (aber ermöglicht trotzdem komplexe Aktionen)?
– Balancing (15 Punkte): Je nach Spiel sind hier unterschiedliche Dinge wichtig. Beispielsweise zählt bei einem RPG, wie ausgeglichen die Charakterklassen bzw. Skills sind, bei einem Strategiespiel, ob die Fraktionen (sofern vorhanden) alle auf ihre Weise gegen die anderen bestehen können. Im Allgemeinen spielt hier auch der Schwierigkeitsgrad und dessen Entwicklung im Spielverlauf eine große Rolle.
– Atmosphäre (30 Punkte): Das ist der wichtigste Aspekt für mich und zugleich der am schwierigsten zu beschreibende. Grob gesagt geht es darum, ob sich ein Spiel gut “anfühlt”. Je nach Spiel können hier wieder unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Ist die Spielwelt glaubwürdig und stimmig bzw. kommt einem das Spiel in sich schlüssig und realistisch vor? Ist die Handlung mitreißend und fesselnd (falls es eine gibt)? Nimmt einen das Spiel emotional mit?
– Umfang (20 Punkte): Natürlich ist es auch wichtig, wieviel Zeit man denn nun sinnvoll mit dem Spiel verbringen kann (klar gibt es auch Spiele, die maximal acht Stunden lang Spaß machen, dabei aber eine ungeheure Spannung entfalten, aber dafür gibt es hier dann eben Abzüge). Neben der reinen Menge an Inhalten und der Langzeitmotivation wird hier auch die Wiederspielbarkeit betrachtet.

Noch heute wird die erste Indie Investigation zu Dungeons of Dredmor erscheinen. Für alle Interessierten: Viel Spaß beim Lesen!